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Weibliche Genitalverstümmelung weltweit

Dass die Praktik weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/Cutting – FGM/C) in 29 Ländern Afrikas und auch in Teilen Asiens verbreitet ist, ist bekannt. Aber auch in anderen Teilen der Welt wird weibliche Genitalverstümmelung praktiziert, jedoch gibt es nur wenige Daten darüber. Meist konzentriert sich die Praktik auf einzelne ethnische Gruppen.

Kolumbien

Vorkommen

In Kolumbien wird weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/Cutting – FGM/C) von der indigenen Gemeinschaft der Emberá praktiziert.

Nach dem Tod zweier neugeborener Mädchen in Pueblo Rico, wurde dies 2007 öffentlich bekannt. Beide Mädchen waren an den schwerwiegenden Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung gestorben.

Die Emberá sind die zweitgrößte indigene Gemeinschaft in Kolumbien. Bisher sind sie als einzige ethnische Gruppe in Lateinamerika bekannt, die weibliche Genitalverstümmelung praktiziert. Allein in Kolumbien leben rund 230.000 Emberá. Auch in Panama und Ecuador findet man Angehörige dieser indigenen Gruppe.

Viele Emberá Männer erfuhren erst nach der öffentlich Aufdeckung von der Praktik innerhalb ihrer indigenen Gemeinschaft. Die Frauen erfuhren davon meist bei der Geburt ihrer ersten Tochter.

Unter den Emberá ist weibliche Genitalverstümmelung als curación (spanisch für Heilung) bekannt.

Die Emberá Mädchen werden am Tage ihrer Geburt oder wenige Wochen danach genitalverstümmelt. Dabei wird die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt.

Formen

In Kolumbien wird gemäß WHO-Klassifikation Typ I (Klitoridektomie) von weiblicher Genitalverstümmelung praktiziert. Unter Klitoridektomie wird das Herausschneiden der Klitoris und/oder der Klitorisvorhaut verstanden.

Begründungsmuster

Die Emberá glauben, dass sich eine unbeschnittene Vulva in einen Penis verwandelt. Die Klitoris wird als Defekt angesehen, der bereinigt werden müsse. Weitere Begründungen für weibliche Genitalverstümmelung sind das Verhindern von Promiskuität oder eine schlechte Ehefrau zu werden.

Gesetzliche Lage

Nachdem 2007 weibliche Genitalverstümmelung unter den Emberá ans Tageslicht kam, setzten sich das Gesundheitsministerium, Menschenrechtsvertreter sowie die UN für die Aufklärung und Ursprünge der Praktik unter dem Emberá ein, um diese zu beenden. UNFPA (UN Population Fund) führte über mehrere Jahre anthropologische Studien und Aufklärungskampagnen unter Geburtshelferinnen und Frauen durch. 2012 wurde weibliche Genitalverstümmelung in Kolumbien schließlich verboten.

Emberá Führer sagen aus, dass weibliche Genitalverstümmelung seither in zwei indigenen Reservaten nicht weiter praktiziert wird – diese schließen 25.000 Emberá ein. Bis 2015 wurden die Anti-FGM/C Interventionen in weiteren acht Gemeinschaften erfolgreich etabliert. Aber vor allem in abgelegenen Gebieten gestaltet sich die Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit als schwierig und die Frauen sprechen nur ungern mit Außenstehenden über die curación, was die Arbeit zudem erschwert.

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Stand 11/2016

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