MIRIAM, Nicaragua – Für ein Leben frei von Gewalt

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Absolventinnen der MIRIAM-Schule mit ihren Abschlusszeugnissen. Foto ©: MIRIAMAbsolventinnen der MIRIAM-Schule mit ihren Abschlusszeugnissen.
Foto: © MIRIAM
Unsere Arbeit ist wichtig, da wir Frauen eine Stimme geben, die Gewalt in ihren verschiedenen Manifestationen erleben: Gewalt in der Beziehung, sexuelle Gewalt und Ausbeutung, ökonomische Gewalt und Menschenhandel.“
Hilda Saldaña
Interventionsgebiete: Regionen Estelí, Managua, Matagalpa in Nicaragua

Wird von TDF unterstützt seit: 2012

Zielgruppe: von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen aus finanziell prekären Verhältnissen

Projektaktivitäten:

  • Beratung und Aufklärung über die Rechte der Frau
  • psychologische Betreuung und rechtsanwaltliche Vertretung für Frauen mit Gewalterfahrungen
  • Durchführung von Alphabetisierungs-, Grundschul- und berufsbildenden Kursen
  • Bildungsarbeit, Seminare, Workshops
  • Projekte zur Prävention und strafrechtlichen Verfolgung von sexueller Ausbeutung, Menschenhandel und Kinderarbeit
  • politische Lobbyarbeit und Öffentlichkeitsarbeit
  • Vergabe von Stipendien für ein Universitätsstudium

Projektgründerin/Leiterin: Yolanda Acuña Urbina

Kontakt: Ehrenamtliche Projektkoordinatorin Wencke Loesener (nicaragua@frauenrechte.de) oder
TERRE DES FEMMES-Referat Internationale Zusammenarbeit (iz@frauenrechte.de)

Projektflyer: Informationsflyer MIRIAM (PDF-Datei)

Hintergründe und Projektbeschreibung

MIRIAM demonstriert mit Frauen für ein Leben frei von Gewalt Foto ©: MIRIAMMIRIAM demonstriert mit Frauen für
ein Leben frei von Gewalt
Foto ©: MIRIAM
Gewalterfahrungen gehören zu den größten Problemen von Frauen in Nicaragua und stellen eine Bedrohung für ihre physische und psychische Gesundheit dar. Laut einer statistischen Erhebung durch die nicaraguanische Regierung (ENDESA 2006/2007) erlebt jede dritte Frau in ihrer Beziehung physische oder sexuelle Gewalt. In 59% der Gewaltsituationen waren die Kinder anwesend. In ihrem Bericht "Listen to their Voice and Act: Stop the Rape and Sexual Abuse of Girls in Nicaragua" (2010) zeigt Amnesty International das Ausmaß sexueller Gewalt im häuslichen Umfeld: Zwei Drittel der Opfer sind unter 17 Jahre alt, 90% der Täter sind Familienangehörige.

Familiäre Machtstrukturen fördern Gewalt

Durch die patriarchal geprägten Gesellschaftsnormen in Nicaragua fehlen dem Aggressor und den Familien oftmals das Unrechtsbewusstsein. Verschiedene Formen von Gewalt werden als solche nicht erkannt und es herrscht ein Mangel an Wissen über die Rechte von Mädchen und Frauen. Viele Mädchen lernen in ihrer Sozialisation die Reproduktion traditioneller geschlechtsspezifischer und sozialer Rollenmodelle. Ein niedriger Selbstwert, die Wiederholung der Spirale von innerfamiliärer Gewalt und psychosomatische Erkrankungen prägen die Realität vieler Mädchen und Frauen.

Fehlendes Bildungsbewusstsein verschärft die Situation der Mädchen und Frauen. Bildung wird nicht als notwendig angesehen, da die Frau ohnehin heiraten und sich um die Familie kümmern soll. Es ist weit verbreitet, dass Mädchen bereits die Grundschule abbrechen. Sie bleiben der Schule fern, um zum Einkommen der Familie beizutragen oder um Arbeiten im Haushalt zu übernehmen. Frühe Schwangerschaften führen ebenfalls zum vorzeiten Schulabbruch. Nicaragua ist das Land mit der höchsten Anzahl an Kinder- und Teenagerschwangerschaften in Lateinamerika.

Totales Abtreibungsverbot gefährdet Frauen

Das Rollenverständnis der Frau spiegelt sich nicht nur in diskriminierenden Strukturen in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft und Politik wider. Hieraus resultieren die Benachteiligung von Frauen und die Missachtung ihrer Rechte. Zum Beispiel existiert in Nicaragua ein Gesetz, das jegliche Form des Schwangerschaftsabbruches unter Strafe stellt. Danach müssen Mädchen und Frauen ihre Schwangerschaft auch dann fortsetzen, wenn die Schwangerschaft ein Risiko für ihre Gesundheit oder sogar für ihr Leben darstellt.

Gesetze allein helfen nicht

In Nicaragua gibt es zwar Gesetze zum Schutz der Frau, aber es mangelt an deren adäquaten Umsetzung. So wurden in den 90er-Jahren von der Polizei landesweite Kommissariate speziell für Frauen, Jugendliche und Kinder (Comisarías de la Mujer, Niñez y Adolescencia) eingerichtet. Dahinter steht die Idee, dass speziell geschultes Personal Anzeigen gegen innerfamiliäre Gewalt entgegennimmt und die Betroffenen an geeignete Stellen zur Betreuung weiter verweisen soll. Die Erwartungen werden jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel, gering geschulten Personals, mangelnder Durchsetzung der Rechte seitens staatlicher Instanzen und überwiegender Straffreiheit der Täter nicht erfüllt. Unterstützung und somit Zugang zu Recht bieten in erster Linie nichtstaatliche nicaraguanische Frauenrechtsorganisationen wie MIRIAM.

MIRIAM steht für ein selbstbestimmtes Leben

MIRIAM ist eine anerkannte Frauenrechtsorganisation, die sich für die Menschenrechte und ganzheitliche Förderung von Frauen, Jugendlichen und Kindern einsetzt. Im Mittelpunkt des Engagements stehen das Recht auf ein Leben frei von Gewalt und das Recht auf Bildung. Die Frauen und Mädchen werden darin unterstützt, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln, ihre Rechte zu kennen und zu vertreten sowie an gesellschaftlichen Veränderungen mitzuwirken.

Entstanden ist MIRIAM durch eine private Initiative, um nicaraguanischen Frauen mittels finanzieller Unterstützung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Durch die Unterstützung konnten die Frauen der häuslichen Gewalt entfliehen und ihr Universitätsstudium finanzieren. Das so entstandene Stipendienprogramm besteht bis heute fort. Einige der Stipendiatinnen gründeten 1989 die gemeinnützige Organisation MIRIAM in Nicaragua. Als erstes Projekt der Stipendiatinnen wurde im Jahr 1995 die "Rechtliche Beratung für Frauen" ins Leben gerufen. Ein Jahr später startete MIRIAM ein Projekt, um Frauen, die aus dem staatlichen Schulsystem ausgeschlossen sind, Alphabetisierungs-, Grundschul-, und berufsbildende Kurse zu ermöglichen. Hierzu wurde eigens die MIRIAM-Schule in Estelí gergündet. Weitere Projekte in den Bereichen Gleichberechtigung und innerfamiliäre Gewalt, Kinderarbeit, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung folgten.

 

Projektaktivitäten von MIRIAM

Rechtsberatung für Frauen im Büro von MIRIAM. Foto © MIRIAMRechtsberatung für Frauen im Büro von MIRIAM. Foto: © MIRIAM

Rechtsberatung durch Anwältinnen

Die Anwältinnen informieren Mädchen und Frauen über ihre Rechte, unterstützen sie bei der Einbringung von Anzeigen, gerichtlichen Verfahren und begleiten sie zu den jeweils zuständigen Instanzen.

Betreuung durch Psychologinnen

Neben der psychologischen Einzelberatung unterstützt der Austausch in Selbsthilfegruppen die Frauen in ihrer Auseinandersetzung und Bewältigung der eigenen Gewalterfahrungen und ihren Folgen. Der Austausch in der Gruppe hilft den Frauen, sich neu zu orientieren und sich als Protagonisten ihres Lebens zu begreifen.

Durchführung von Workshops und Ausbildung zu Multiplikatorinnen

Männer reflektieren in einem von MIRIAM veranstalteten Workshop zum Thema häusliche Gewalt. Foto ©: MIRIAMMänner reflektieren in einem von MIRIAM veranstalteten Workshop zum Thema häusliche Gewalt. Foto ©: MIRIAMWorkshops und die Arbeit von Multiplikatorinnen bilden eine wichtige Strategie der Gewaltprävention und Unterstützung in Gewaltsituationen. In Workshops informieren sich Frauen und/oder Männer über die Rechte der Frau, reflektieren über Gewaltstrukturen und entwerfen gewaltfreie Lebensperspektiven. Als Multiplikatorinnen ausgebildete Frauen informieren in ihrer Gemeinde zu bestimmten Themen und bieten Hilfestellung für Mädchen und Frauen mit Gewalterfahrungen.

Bildung durch Alpabetisierungs-, Grundschul- und berufsbildende Kurse

MIRIAM hat eine eigene Schule für Frauen ab 14 Jahren. In  Alphabetisierungskursen  lernen die Frauen lesen, schreiben und rechnen. Sie können ihren Grundschulabschluss nachholen und berufsbildende Kurse in Schneiderei, Frisieren, Kosmetik, Handarbeit und PC-Anwendungen belegen. Die Kurse sind staatlich anerkannt und ermöglichen den Frauen, ein Einkommen zu erzielen.

Vergabe von Stipendien für Hochschulstudium

Das Stipendienprogramm von MIRIAM unterstützt Frauen, die aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht studieren können. Mit dem Stipendium können die Frauen die Studiengebühren -und materialien bezahlen und einen Teil ihres Lebensunterhalts finanzieren. Neben der Stipendienvergabe unterstützt MIRIAM die Frauen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung durch die Auseinandersetzung mit Gender-Themen in Workshops. Die Stipendiatinnen multiplizieren ihre erhaltene Unterstützung, in dem sie sich ehrenamtlich in sozialen Projekten engagieren.

Koordination und Öffentlichkeitsarbeit

MIRIAM arbeitet mit Organisationen der Zivilgesellschaft und staatlichen Institutionen für eine verstärkte Einflussnahme auf familiärer, kommunaler und nationaler Ebene. Mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit sensibilisiert MIRIAM zu Themen häuslicher Gewalt, um Prozesse gesellschaftlicher Bewusstseinsveränderungen in Gang zu setzen. Das allgemeine Schweigen über Gewaltdelikte wird gebrochen, häusliche Gewalt wird als gesamtgesellschaftliches Problem thematisiert, die Menschen werden über Formen und Folgen der Gewalt und Gesetze zum Schutz der Frau aufgeklärt sowie über Hilfsangebote und Möglichkeiten der Strafverfolgung informiert.

Erfolge der Organisation

Im Jahr 2014 konnten trotz der derzeitig schwierigen finanziellen Lage von MIRIAM folgende Erfolge mit den über TERRE DES FEMMES eingegangenen Spenden erzielt werden.

  • Für 169 Frauen zwischen 18 und 49 Jahren rechtliche Beratung und Begleitung bei innerfamiliärer Gewalt, Scheidung, Unterhaltsansprüchen und Anerkennung der Vaterschaft sowie Durchführung von Reflexionstreffen zu folgenden Themen: Allgemeines Gesetz gegen Gewalt an Frauen (Ley 779), Stärkung des Selbstbewusstseins, Gender und Macht, Sexualität und Liebe, Empowerment, Einfluss patriarchalischer Strukturen auf Geschlechterrollen, Gewalt als Produkt ungleicher Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern und Generationen, Gewaltspirale und Auswege.
  • Durchführung von Workshops mit Frauen, die durch die Rechtsberatung unterstützt wurden, anlässlich des Internationalen Frauentages und  Weltgesundheitstags zu: Menschenrechte der Frau, Anerkennung von Frauenarbeit ohne Entlohnung, Schutz vor Krankheit und Gewalt.
  • Als Teil der Öffentlichkeitsarbeit zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen Verlegung des Büros in einen anderen Stadtbezirk, um die dortigen BewohnerInnen zu verschiedenen Formen von Gewalt zu sensibilisieren und Rechtsberatung vor Ort anzubieten.
  • Hausbesuche zwecks Kontaktaufnahme zu 30 Frauen, die die Rechtsberatung nicht mehr wahrnahmen, z. B. weil sie wegen ihrer Strafanzeige von der Familie unter Druck gesetzt wurden oder ihnen das Geld für die Busfahrt zum MIRIAM-Büro fehlte; Ziel war es, die Frauen über den Bearbeitungsstand ihrer Anzeigen zu informieren und ihnen Rückhalt für die Fortführung ihrer Bemühungen um Strafverfolgung zu geben.
  • Fortführung der Zusammenarbeit in kommunalen Netzwerken mit Jugendlichen, Frauen und Männern verschiedener Stadtteile Managuas und Akteuren nichtstaatlicher und staatlicher Einrichtungen, z. B. Frauenvereinigungen, Kirche und Behörden; Ziel der Zusammenarbeit ist die Prävention von Gewalt an Frauen und Sensibilisierung der Bevölkerung zu Geschlechtergerechtigkeit.

In den letzten 25 Jahren hat MIRIAM mehr als 31.000 Mädchen, Jungen, Frauen und Männer unterstützt:

  • 4.000 Frauen ab 14 Jahre nahmen an Alphabetisierungskursen teil, beendeten die Grundschule, erlernten einen Beruf oder  erhielten ein Stipendium für ein Universitätsstudium
  • 10.000 von Gewalt betroffene Frauen wurden über ihre Rechte aufgeklärt, psychologisch betreut, von Anwältinnen beraten oder durch die Instanzen des Rechtssystems begleitet
  • 17.200 Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer wurden geschult und aktiv einbezogen zum Schutz vor häuslicher Gewalt, sexueller Ausbeutung oder Ausbeutung durch Kinderarbeit und Menschenhandel.

 

 

Aktiv werden & Spenden

Damit MIRIAM ihre Projekte für ein Leben frei von Gewalt durchführen kann, ist die Organisation auf finanzielle Unterstützung auch aus dem Ausland angewiesen.

Unterstützen Sie MIRIAM mit einer einmaligen Spende oder spenden Sie regelmäßig und werden Sie FörderIn!

Sie können auch mit dem Stichwort "Nicaragua" auf folgendes Konto spenden:

EthikBank
Konto 103 116 000
BLZ 830 944 95
BIC GENODEF1ETK
IBAN DE35 8309 4495 0103 1160 00

Weitere Informationen

Aktuelle Informationen über MIRIAM erhalten Sie auf dem Blog "Frauenprojekte in Nicaragua".

Flyer

Jahresbericht

Jährlich veröffentlicht Wencke Loesener, ehrenamtliche Projektkoordinatorin, einen Bericht für die Mitfrauenversammlung von TERRE DES FEMMES über die MIRIAM-Projektaktivitäten: 

Reiseberichte

Interviews

Öffentlichkeitsarbeit für MIRIAM in Deutschland

 

Weitere Informationen erhalten Sie bei

TERRE DES FEMMES e.V.
Brunnenstr. 128, 13355 Berlin
Tel: 030 - 40 50 46 99-0
E-Mail: Kontaktformular

oder bei der

ehrenamtlichen TERRE DES FEMMES-Projektkoordinatorin
Wencke Loesener
E-Mail: wenckeloesener@yahoo.com

 

 

 

 

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