TERRE DES FEMMES begrüßt den aktuellen Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Frühehen

TERRE DES FEMMES Aktion gegen Fruehehen. Foto: © Uwe Steinert Foto: © Uwe SteinertDie Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Frühehen vorgelegt, welcher zeitnah ins Bundeskabinett eingebracht werden soll. Der Entwurf sieht vor, das Mindestheiratsalter in Deutschland auf 18 Jahre ohne Ausnahmen festzulegen. Weiterhin sollen Ehen, die im Ausland mit Personen unter 16 Jahren geschlossen worden sind, in Deutschland nicht wirksam sein. Ehen, die im Ausland mit Personen zwischen 16 und 18 Jahren geschlossen wurden, sollen in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen durch Gerichte aufhebbar sein.

TERRE DES FEMMES begrüßt, dass endlich Gesetze zum Schutz minderjährig Verheirateter im Sinne der Kinder- und Menschenrechte verabschiedet werden sollen. Bisher gab es bei den Behörden eine große Unsicherheit, wie mit minderjährig Verheirateten, die nach Deutschland kommen, umzugehen sei. Der Handlungsbedarf wurde oft verkannt. Weiterhin war es bislang eine Frage der Einzelfallentscheidung, ob eine Ehe z. B. mit einer 14-Jährigen anzuerkennen sei. TERRE DES FEMMES fordert klare gesetzliche Vorgaben für den Umgang mit minderjährigen Ehefrauen.

Kritiker befürchten, das Selbstbestimmungsrecht des Kindes würde eingeschränkt, sofern Ehen mit Minderjährigen nicht anerkannt bzw. aufgehoben werden. TERRE DES FEMMES kann dieser Argumentation jedoch nicht folgen: Die Menschenrechtsorganisation sieht Frühehen als Indiz für eine Kindeswohlgefährdung: Minderjährig verheiratete Mädchen sind in vielen Fällen vom Ehemann abhängig und können nicht selbst über ihr Leben bestimmen. Häufig dürfen sie nicht zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. Frühe Schwangerschaften bergen ein enormes gesundheitliches Risiko. Häusliche und sexualisierte Gewalt sowie die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft sind keine Seltenheit. Entgegen der Kritik sollen gemäß dem Gesetzesentwurf junge Frauen nicht zwangsweise vom „Ehemann“ getrennt werden. Vielmehr soll im Einzelfall entschieden werden, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt oder das Mädchen weiterhin mit dem Mann zusammenleben kann.

TERRE DES FEMMES hofft im Sinne der minderjährigen Ehefrauen sowie der minderjährig Verheirateten auf eine baldige Umsetzung des Gesetzesentwurfs, damit „Frühehen“ in Deutschland in Zukunft abgeschafft werden und jedes Mädchen selbstbestimmt und frei leben kann.

 

Stand: 03/2017

                                                                                                                                                                            

 

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