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TERRE DES FEMMES –
Menschenrechte für die Frau e.V.
Brunnenstr. 128
13355 Berlin

FLORIKA, Bulgarien – Prävention von Frauenhandel

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Mädchen im Projekt FLORIKA in Kleidern, die sie selbst im Nähunterricht hergestellt haben. Foto: © TERRE DES FEMMESMädchen im Projekt FLORIKA in Kleidern, die sie selbst im Nähunterricht hergestellt haben. Foto: © TERRE DES FEMMESInterventionsgebiete:
Bulgarien, Stadt Burgas am Schwarzen Meer

Wird von TDF unterstützt seit: 2012

Zielgruppe: Benachteiligte Mädchen aus einem Roma-Viertel der Stadt Burgas

Projektaktivitäten:

  • Pädagogische Förderung der Mädchen und Sensibilisierung der Eltern
  • Ermutigung der Mädchen die Schule abzuschließen und eine Ausbildung zu machen (Unterstützung bei Hausaufgaben, Ausbildungsplatzsuche etc.)
  • Kampagne gegen Frauenhandel, Informieren von Eltern und Töchtern
  • Aufklärung der Mädchen über ihre Rechte
  • Breit gefächertes pädagogisches Kursangebot: Tanzen, Kochen, Malen, Basteln, Fotografieren und Nähen
  • Organisation von Ausflügen und Vorführungen, um gegen die Ausgrenzung der Roma-Mädchen vorzugehen

Projektgründerin/Leiterin: NRO "ROMA-Union" Burgas
Kontakt TDF: Ehrenamtliche Projektkoordinatorin Juliane von Krause (bulgarien@frauenrechte.de) oder Referat Internationale Zusammenarbeit (iz@frauenrechte.de)
Projektflyer: Informationsflyer FLORIKA (PDF-Datei)

Hintergründe und Projektbeschreibung

Frauenhandel und Kinderheirat in Burgas/BulgarienEine Mädchengruppe mit den MitarbeiterInnen des Projektes: ganz links: Sozialarbeiterin, 2.v.l.: Nählehrerin, in der Mitte: Projektleiter, 3.v.r.: Tanzlehrer, 2.v.r.: Sozialarbeiterin Foto: © Juliane v. KrauseEine Mädchengruppe mit den MitarbeiterInnen des Projektes. V.l.n.r. Sozialarbeiterin, Nählehrerin, Projektleiter, Tanzlehrer, Sozialarbeiterin. Foto: © Juliane v. Krause

Die Angehörigen der Roma in Osteuropa leiden unter einem feindlichen öffentlichen Klima, das sie sozial ausschließt und in prekäre Lebenssituationen, Arbeitslosigkeit und Armut treibt. Zu einem Leben im sozialen Abseits kommen für Mädchen und Frauen noch Benachteiligungen im Bildungsbereich hinzu, nicht wenige sind Analphabetinnen. Sie werden in ihrer Schulbildung nicht unterstützt. Armut und frühe Verheiratung, teilweise im Alter von 13 Jahren, sind die häufigsten Ursachen für einen Schulabbruch. Diese Situation gefährdet die Mädchen besonders, denn sie verführt die Eltern dazu, den falschen Versprechungen von Menschen zu glauben, die ihre Töchter über kriminelle Händlerringe in den internationalen Frauenhandel schleusen und sie zur Billigstarbeit oder zur Prostitution zwingen.

Im Jahr 2014 kamen 16% der Opfer von „Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung“ (BKA) aus Bulgarien, im Jahr 2015 waren es bereits 17,1%.

Das FLORIKA-Projekt

FLORIKA leistet Präventionsarbeit gegen Frauenhandel für eine Zielgruppe von stark gefährdeten und benachteiligten Mädchen und jungen Frauen in der Stadt Burgas, im Roma-Viertel Pobeda. Mädchen im Alter von 9 bis 15 Jahren erhalten in der Tagesstätte der Roma-Union pädagogische Förderung und Unterstützung. Sie werden von zwei Sozialpädagoginnen betreut, denen es ein Herzensanliegen ist, Verbesserungen für Mädchen und Frauen in ihrer Gesellschaft zu erreichen. Neben der Hausaufgabenbetreuung bieten Näh- und Kochunterricht, Tanzen und gemeinsames Spielen den Schülerinnen eine individuelle Förderung. Das Projekt hat es geschafft, in dem Viertel ein Problembewusstsein zu schaffen und sozialen Wandel anzustoßen. Keines der Mädchen, die an den Programmen teilgenommen haben, wurde Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Ihre Unterstützung für ein aufgeklärtes Leben!

Drei Mädchen von FLORIKA beim Nähunterricht. Foto: © Juliane v. Krause.Drei Mädchen von FLORIKA beim Nähunterricht. Foto: © Juliane v. Krause.Aufgrund der großen Armut fehlt es in den Familien an dem Nötigsten, selbst am Essen für die Kinder. Das Projekt FLORIKA bietet neben der pädagogischen Unterstützung auch die Möglichkeit mit den anderen Mädchen zusammen zu kochen und gemeinsam eine warme Mahlzeit zu essen.

Die Mitarbeiterinnen des Projektes arbeiten derzeit mit 53 Mädchen, die regelmäßig in die Tagesstätte neben der Schule kommen. Viele haben den Grundschulabschluss geschafft und gehen auf eine weiterführende Schule. Da ihre Mütter, meist selbst erst Ende Zwanzig, häufig Analphabetinnen sind, ist das eine sehr positive Entwicklung. Die Eltern werden als Ehrenamtliche in das Projekt mit eingebunden.

Das Projekt FLORIKA setzt sich mit gezielter Bildungs- und Präventionsarbeit dafür ein, dass die benachteiligten Mädchen eine Chance auf ein besseres Leben erhalten. Dabei werden die praktischen und sozialen Kompetenzen der Mädchen ausgebaut und so ihr Selbstbewusstsein gestärkt.

TERRE DES FEMMES unterstützt FLORIKA in Zusammenarbeit mit „STOP dem Frauenhandel“ in München seit 2012.

 

Projektaktivitäten von FLORIKA

Pädagogische Arbeit mit den Mädchen

Die Mädchen im FLORIKA Projekt. Foto: © TERRE DES FEMMESDie Mädchen im FLORIKA Projekt. Foto: © TERRE DES FEMMES53 Mädchen zwischen 9 und 15 Jahren nahmen 2016 an den Angeboten von FLORIKA teil. Die Mädchen hatten einen hohen Förderbedarf und kamen aus sehr armen Familien des Roma-Viertels Pobeda in Burgas, in denen sie teilweise auch Gewalt erfahren. Die Sozialpädagoginnen berieten außerdem Eltern von 9 Familien, die mit Gewalt oder Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben.

  • 2x wöchentlich besuchten 21 Mädchen die beliebte Tanzgruppe, in der traditionelle bulgarische und moderne Tänze gelehrt werden. Choreographien zu Musik zu erlernen macht den Mädchen sehr viel Freude und stärkt ihr Selbstbewusstsein. Im Dezember 2016 zeigten sie ihr Können bei einer Tanzaufführung in ihrer Schule.
  • Besonders kreativ wurden auch 27 Mädchen in verschiedenen Mal- und Bastelgruppen.
  • In den Nähgruppen wurden von 20 Mädchen Kissen, Schürzen und Einkaufstaschen hergestellt.
  • Eine Gruppe von 24 Mädchen nahm regelmäßig am Kochunterricht teil, in dem sie lernten gesunde und vollwertige Mahlzeiten mit örtlich verfügbaren Zutaten zu kochen.
  • Die Sozialpädagoginnen motivieren die Mädchen zu regelmäßigem Schulbesuch, sie kontrollieren ihre schulischen Leistungen und unterstützen die Mädchen immer freitags und bei Bedarf bei ihren Hausaufgaben, vorwiegend in den Fächern Bulgarisch, Geschichte und Biologie.
  • Die Sozialpädagoginnen sprechen mit den Mädchen über wichtige Themen wie Sexualität, Frühehen, Schwangerschaften, Zwangsverheiratung, Prostitution und Zwangsprostitution und ihre Konsequenzen.

 

Elternarbeit

FLORIKA-Mädchen vor einem Tanzauftritt vor FreundInnen und Familie. Foto ©: Juliane von KrauseFLORIKA-Mädchen vor einem Tanzauftritt vor FreundInnen und Familie.
Foto ©: Juliane von Krause

Im vergangenen Jahr leistete die Roma-Union viel Sozialarbeit auf den Straßen Pobedas und suchte gezielt den Kontakt zu den Eltern der Mädchen. Bei Hausbesuchen und regelmäßigen Elterngesprächen wurden ihnen die Ziele des Projektes erklärt und Themen wie Ausbildung, Arbeit, Beruf, Armut, Erziehung, Lebensperspektiven, Sexualität, Früh- und Zwangsehen und Menschenhandel angesprochen. 

Die wichtigste Arbeit haben die Sozialpädagoginnen geleistet. Sie haben die Eltern überzeugt, dass der Schulunterricht gut für die Zukunft der Mädchen ist. Sie haben das Vertrauen der Eltern und ihrer Töchter gewonnen. Die Mädchen besuchen gerne das Projekt, da die Sozialpädagoginnen ihre engsten Vertrauten geworden sind. In Gruppen- und in individuellen Gesprächen wurden viele Themen diskutiert, wie zum Beispiel Früh- und Zwangsehen, die Rolle der Frau in der Familie, die Rechte des Kindes, Frau und Beruf, die Frau und die Schule, die verschiedenen Berufe und die Bedeutung der schulischen Bildung und eines Berufes für ihr Leben, ihre Selbstbestimmung und ihre Zukunft. Mit den Mädchen im Gespräch sind die Sozialpädagoginnen des Weiteren über Tradition, Kultur, Prostitution,  Menschenhandel, Freundschaft, Liebe, Träume und Wege, diese zu verwirklichen.

 

Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit

Es finden regelmäßige Treffen mit der Leitung und den Lehrkräften von zwei Grundschulen in den Roma-Vierteln, zwei Berufsschulen (für Gastronomie und Automechanik) in Burgas und von verschiedenen Waisenhäusern statt. Das Team des Projektes arbeitet eng zusammen mit der Stadt Burgas, besonders mit der stellvertretenden Bürgermeisterin, die für Bildung und Minderheiten zuständig ist.

Gemeinsame Projekte (öffentliche Auftritte, Filmbesuche) wurden mit der örtlichen Kommission zur Bekämpfung des Menschenhandels in Burgas, mit der Nicht-Regierungs-Organisation Demetra und mit der Caritas organisiert.

Im Februar 2016 besuchten Christa Stolle und die Schauspielerin Sibel Kekilli FLORIKA und ein Teil des ARTE-Filmes über Christa Stolle wurde dort gedreht. Der Film gibt einen guten Einblick in die Arbeit vor Ort.

Erfolge des Projekts

Mädchen im Projekt FLORIKA beim gemeinsamen Austausch. Foto ©: TERRE DES FEMMESMädchen im Projekt FLORIKA beim gemeinsamen Austausch. Foto ©: TERRE DES FEMMES

In der pädagogischen Arbeit mit den jungen Mädchen achten die Pädagoginnen darauf, den jungen Frauen auch Kompetenzen zu vermitteln, die sie in den Familien nicht lernen: Sich die eigenen Wünsche und Bedürfnisse bewusst zu machen und eigene Lebensziele zu reflektieren und zu verfolgen. Die Mädchen werden in ihrem Selbstvertrauen gestärkt. Diese Kompetenzen sind im Hinblick auf die Arbeitssuche und ihre weitere Entwicklung wichtig. Die Mädchen haben gerne und regelmäßig an den Aktivitäten teilgenommen. Die Arbeit wird sorgfältig dokumentiert.

Positiv zu vermerken ist, dass es auch 2014 und 2015 keine Schulabbrecherinnen unter den Teilnehmerinnen des Projekts gab. 8 Mädchen haben den Schulbesuch auch nach der Grundschule (8. Klasse) in einer Schule fortgesetzt, in die nicht nur Roma Kinder gehen. Ein anderer Erfolg ist die Tatsache, dass kein Mädchen in diesem Jahr zwangsweise verheiratet wurde. Es ist auch kein Mädchen nach Westeuropa in die Prostitution gehandelt worden.

Von März 2015 bis April 2015 lief das Projekt „Prävention von Schwangerschaften und Frühehen“, das vom deutschen Auswärtigen Amt finanziert wurde. Zielsetzung war, die Mädchen und Jungen, aber auch Eltern darüber zu informieren, dass Teenager-Schwangerschaften für Mütter wie ihre Kinder viele Probleme aufwerfen. Dieser tolle Erfolg ist TERRE DES FEMMES und speziell Renate Staudenmeyer zu verdanken. TERRE DES FEMMES hat es geschafft, dass die Mitarbeiterinnen von FLORIKA im September in die deutsche Botschaft eingeladen wurden, um eine Delegation des Menschenrechtsausschusses aus dem deutschen Bundestag zu sprechen.

 

Aktiv werden & Spenden

Auch in Zukunft benötigt FLORIKA finanzielle Unterstützung für:

  • die Beschaffung von Materialien für die Gruppen.
  • die Finanzierung der Sozialpädagoginnen und der pädagogischen Fachkräfte (TanzpädagogInnen und SchneiderInnen).
  • die Lebensmittelversorgung der Mädchen.
  • Kampagnen und Aufklärung zum Thema Frauenhandel und Kinderheirat.
  • das Ermöglichen von Ausflügen.
  • die Instandhaltung und Renovierung der Tagesstätte.

 

Unterstützen Sie FLORIKA mit einer einmaligen Spende oder spenden Sie regelmäßig und werden Sie FörderIn!

Sie können auch mit dem Stichwort „Bulgarien“ auf folgendes Konto spenden:

EthikBank
Konto 103 116 000
BLZ 830 944 95
BIC GENODEF1ETK
IBAN DE35 8309 4495 0103 1160 00

 

Weitere Informationen

Flyer

FLORIKA-Projektflyer (PDF-Datei)

Jahresbericht

Die ehrenamtliche Projektbetreuerin Juliane v. Krause berichtet jährlich zu den Projektentwicklungen:

Reiseberichte

Öffentlichkeitsarbeit

Weitere Informationen erhalten Sie bei

TERRE DES FEMMES e.V.
Brunnenstr. 128, 13355 Berlin
Tel: 030 - 40 50 46 99-0
E-Mail: Kontaktformular

oder bei der

TERRE DES FEMMES Projektkoordinatorin:
Städtegruppe München, Juliane von Krause
E-Mail: bulgarien@frauenrechte.de 

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