Internationale Zusammenarbeit bei TERRE DES FEMMES e.V. – was ist das?

BildgalerieWenn mit Geldern aus Deutschland in Kamerun eine Mädchenschule gefördert wird, oder in Sierra Leone ein Schutzhaus für Mädchen gebaut wird, die Schutz vor weiblicher Genitalverstümmelung suchen, dann ist das Internationale Zusammenarbeit. Internationale Zusammenarbeit meint dabei vor allen Dingen die partnerschaftliche Zusammenarbeit, Unterstützung und nachhaltige Entwicklung von Projekten, die die Menschen selbst in ihren Ländern initiieren und weiter voranbringen wollen.

Das Referat für Internationale Zusammenarbeit hat bei TERRE DES FEMMES im September 2012 seinen Anfang genommen. Anknüpfend an die bereits existierenden Kooperationen mit Auslandsprojekten und Fraueninitiativen weltweit, will TDF seine Internationalen Kooperationen im Rahmen der Internationalen Zusammenarbeit ausbauen.

Auch hier setzen wir uns gezielt für Frauenrechte und die Stärkung der Rolle von Frauen ein. Uns geht es um spezifische Ansätze, die Mädchen und Frauen unterstützen und die direkt auf die Überwindung von bestehenden Frauenrechtsverletzungen abzielen.

Die Anerkennung von Frauenrechten als Menschenrechte ist weltweit nur durch das Engagement von bewegten Frauen in Gang gekommen. Engagierte Frauen haben neue Strukturen durchgesetzt, wie die Kommission für den Status der Frauen (CSW: Commission for the Status of Women). Sie haben sich für neue gesetzliche Regelungen stark gemacht, so zum Beispiel für das „Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau“ im Jahr 1979 (CEDAW – Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women). Und Frauen haben sich als Aktivistinnen im Rahmen der Pekinger Aktionsplattform auf der 4. Weltfrauenkonferenz (1995) eingebracht – hier wie dort haben sie weltweit Meilensteine für die Verbesserung von Frauenrechten gesetzt.

Demgegenüber stehen die weltweiten patriarchalischen Strukturen, die eine wirkliche Umsetzung der Menschenrechte für Frauen behindern. Auch wenn es in manchen Bereichen zu Verbesserungen für Frauen gekommen ist, bleibt es immer noch schockierend zu sehen:

  • Weltweit erlebt jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle oder physische Gewalt.
  • Schätzungsweise 140 Millionen Frauen und jährlich weitere 3 Millionen Mädchen sind von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen.
  • Jährlich werden mehr als 16 Millionen Frauen Opfer von Menschenhandel.
  • Es fehlen bis zu 100 Millionen Mädchen und Frauen in der globalen Bevölkerung - sie sind Opfer von geschlechterselektiven Abtreibungen und Kindesvernachlässigung.
  • Von den geschätzten 1,2 Milliarden Armen sind weltweit 60 bis 70 Prozent Frauen.
  • Zwei Drittel der nicht alphabetisierten Menschen sind Frauen.
  • 39 Millionen der elf- bis 15jährigen Mädchen gehen nicht zur Schule.

Die strukturellen Ursachen von Armut und Gewalt, basierend auf Macht- und Dominanzverhältnissen finden bislang zu wenig Berücksichtigung in den entwicklungspolitischen Programmen und Diskussionen. Dies zeigt sich zurzeit auch in der aktuell geführten Debatte um die im September 2015 neu verabschiedete Agenda 2030.

Die in der Entwicklungszusammenarbeit gängigen Strategien zu Armutsminderung sollten unserer Ansicht nach die Stärkung von Frauenrechten, den verbesserten Zugang von Frauen zu Ressourcen und die Förderung der politischen Partizipation von Frauen mehr in den Mittelpunkt stellen.

Dazu ist es notwendig, die Rolle und Rechte von Frauen zu stärken, sowie Basis-Organisationen von Frauen und den Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern. Die von TDF geförderten Fraueninitiativen im Ausland kämpfen auf der Graswurzel-Ebene gegen weibliche Genitalverstümmelung, gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution; sie engagieren sich im Bereich Gewaltschutz, machen Antidiskriminierungsarbeit, oder setzen sich für die Stärkung von Mädchenbildung ein. In 2013 fördert TDF Frauenprojekte in Burkina Faso, Sierra Leone, Indien, Nicaragua, Kamerun, Afghanistan, Israel und Bulgarien.

Anknüpfend an die bestehenden TDF – Auslandsprojekte werden weitere finanzielle Fördermöglichkeiten für sinnvolle und notwendige Projekte der Internationale Zusammenarbeit aus feministischer Perspektive anvisiert.

 

Hinweis in eigener Sache

Das Referat für Internationale Zusammenarbeit wurde im Jahr 2012 eingerichtet, zu diesem Zeitpunkt noch unter dem Titel „Entwicklungszusammenarbeit“. Mit dem Begriff Entwicklungszusammenarbeit wird zum einen in Verbindung gebracht, dass es unterentwickelte und entwickelte Länder gibt, zumeist gemessen an wirtschaftlichen Indikatoren, und darauf aufbauend ein entsprechendes Entwicklungsmodell. Dies entspricht nicht unseren Vorstellungen, ist aber in der Fachwelt eine gängige Begriffsformel, auf die wir uns auch bezogen haben, wenn auch mit leichtem Unbehagen.

Im November 2015 haben wir nun die Entscheidung gefällt, den Begriff „Entwicklungszusammenarbeit“ durch „Internationale Zusammenarbeit“ zu ersetzen.

In unseren Texten ist dies bereits weitgehend umgesetzt. Die Umstellung unserer E-Mail-Adresse von ez@frauenrechte.de nach iz@frauenrechte.de stellt nun einen folgerichtigen weiteren Schritt dar. Bitte beachten Sie: auch wenn in unseren Druckerzeugnissen und Flyern evtl. noch alte E-Mail-Angaben zu finden sind, so ist unsere neue E-Mail-Adresse für das Referat Internationale Zusammenarbeit seit November 2015: iz@frauenrechte.de.

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