Internationale Frauensolidarität gegen die doppelte Diskriminierung von Frauen in Burkina Faso

Die Heldinnen aus Ouagadougou. ABN Vetreterinnen bei Ihrem Kampf gegen FGM. Foto: © TERRE DES FEMMESDie Heldinnen aus Ouagadougou. ABN Vetreterinnen bei Ihrem Kampf gegen FGM. Foto: ©TERRE DES FEMMESSeit 1998 besteht die Association Bangr Nooma (ABN), eine Frauenrechtsorganisation in Burkina Faso, in der Hauptstadt Ougadougou. Die Gründerin und Leiterin dieser Organisation kämpft seitdem mit ihren MitstreiterInnen gegen das Ende der weiblichen Genitalbeschneidung. Für TERRE DES FEMMES ist die weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation - FGM) eine der schwersten Menschrechtsverletzungen gegen Mädchen und Frauen. Seit einiger Zeit gibt es in Burkina Faso einen neuen Trend der doppelten Diskriminierung von beschnittenen Frauen.

Der Weg für die Partnerorganisation von TERRE DES FEMMES war beschwerlich. Sind doch politische Instabilität, wirtschaftlicher Rückgang und Umweltkatastrophen an der Tagesordnung in dem kleinen Land an der Westküste Afrikas. Mit fast 19 Mio. EinwohnerInnen gehört Burkina Faso zu den ärmsten Ländern der Welt, in dem es Frauenrechte schwierig haben. 

Warum setzt sich also diese kleine Nichtregierungsorganisation für das Ende der weiblichen Beschneidung ein? Zum einen, weil die Gründerin selbst Betroffene ist und zum anderen, weil FGM ein flächendeckendes Problem von Frauen aller Generationen ist, welches von Frauen ausgeübt wird.

Als die Gründerin Rakieta Poyga vor 25 Jahren mit der Aufklärungsarbeit anfing, hatte sie es schwer UnterstützerInnen, politischen Rückhalt und wirtschaftliche Beihilfe zu bekommen. Heute, 2017, ist ABN
von vielen Seiten anerkannt und erntet anstatt „Buh-Rufen“ nur noch Lorbeeren für die Erfolge im Kampf gegen FGM. Nicht nur die Zahl der beschnittenen Frauen ist stark zurückgegangen. Heute gibt es auch in den Regionen, in denen ABN aktiv ist, keine Beschneiderinnen mehr. Die Dorfbevölkerung, die Dorfkönige und religiösen Oberhäupter stehen hinter einem Nein zu FGM!

Viele MitarbeiterInnen für die Aufklärungsarbeit, sogenannte Animatrice/Animateur konnten ausgebildet werden. Die Spenden, die durch die Kooperation mit TERRE DES FEMMES an ABN gelangen, werden dafür genommen, den MitarbeiterInnen ein kleines Einkommen/Aufwandsentschädigung zu sichern, damit sie die Aufklärungskampagnen durchführen und ihre Mobilität gewährleistet ist.

Bei einem TERRE DES FEMMES - Besuch im November 2016 wurde deutlich, dass das jahrelange Bestreben dieser mittlerweile im Land bedeutenden NRO, zu großem Erfolg geführt hat. Nicht nur, dass die staatlichen Ministerien ABN unterstützen; nicht nur, dass sich viele Frauen zusammenschließen und gemeinsam gegen FGM vorgehen; nicht nur, dass Rakieta Poyga mit und durch ihre Arbeit, ein hohes Ansehen genießt, sondern auch dadurch, dass statistische Zahlen beweisen, dass ABN in all den Jahren durch die Aufklärungskampagnen einen erfolgreichen Ansatz gewählt hat.

Es wurde aber auch noch was Anderes deutlich. Viele Frauen, die beschnitten sind, erfahren eine doppelte Diskriminierung dadurch, dass sie beschnitten sind. In einem Gespräch mit Frauen in der Region Saaba, trafen beschnittene und unbeschnittene Frauen zusammen. Viele der unbeschnittenen Frauen, äußerten sich, dass sie froh seien, nicht beschnitten zu sein und erklärten, dass sie die Folgen und Gefahren der Beschneidung kennen: körperliche Beeinträchtigungen, Verlust der Libido, Schmerzen im Genitalbereich sowie Probleme bei der Geburt. Noch vor 20 Jahren wollte kein Mann eine unbeschnittene Frau, heute will kein Mann mehr eine beschnittene Frau. Viele der beschnittenen Frauen leiden nicht nur unter der Beschneidung, sie verstehen sich darüber hinaus selbst als Manko und werden gerade von der Gesellschaft der Männer gemieden. „Heute möchte kein Mann mehr eine Frau haben, die beschnitten ist, da gibt es zu viele Probleme.“ Frauen also, die beschnitten sind, haben es schwerer. Sie finden keinen Ehemann und haben somit eine schlechtere Stellung in der Gesellschaft.

Es stellt sich also nun ein neuer Kampf für unsere Partnerorganisation Association Bangr Nooma dar. Während es früher ausschließlich galt FGM zu bekämpfen, muss ABN heute Aufklärungskampagnen machen, die diesen neuen Trend einbeziehen und auch dagegen kämpfen. Kämpfen dagegen, dass beschnitte Frauen nicht in die Opferrolle fallen und als Außenseiterinnen wahrgenommen werden. Fast erscheint es so, als hätte man ein Thema beendet und schon taucht ein neues frauenfeindliches Phänomen auf.

Wie aber kann ABN bei diesem Thema helfen? ABN und TERRE DES FEMMES arbeiten hartnäckig und vehement auch gegen diesen neuen Trend. Dies kann aber nur flächendeckend passieren. Dazu benötigt ABN dringend unsere weitere Unterstützung für die Aufklärungsarbeit - sei es durch Geld- oder Sachspenden.

Frauendiskriminierende Handlungen und frauenfeindliches Denken sind vielfältig, oft nicht bewusst, aber häufig weitrechend für die Frauen selbst. Nur gemeinsam können wir Rakieta Poyga und ihr Team unterstützen. Gemeinsam kämpfen wir dafür, dass Frauenrechte geachtet, Frauen respektiert und diskriminierendes Verhalten unterdrückt wird. Für ein selbstbestimmtes Leben, frei von Gewalt.


Stand: 03/2017

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