Rückblick: Veranstaltung zum Internationalen Frauentag - Bewegende Worte im Schloss Bellevue

Bundespräsident Joachim Gauck. Foto: © Uwe Steinert, BerlinBundespräsident Joachim Gauck.
Foto: © Uwe Steinert, Berlin
Anlässlich des Internationalen Weltfrauentages machten Bundespräsident Joachim Gauck und TERRE DES FEMMES am 6. März in einem gemeinsamen Symposium in Schloss Bellevue auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland aufmerksam. Schwerpunkt der Veranstaltung waren die Themen „Häusliche Gewalt“ und „Gewalt im Namen der Ehre“. TERRE DES FEMMES startete außerdem die neue Kampagne „Schaust du hin?“.

 

 

 

 

 

Videodokumentation des Symposiums als Zusammenschnitte

Die Dokumentation in voller Länge.

Nach der einleitenden Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck kamen auch Christa Stolle, Geschäftsführende Vorstandsfrau bei TERRE DES FEMMES, Menschenrechte für die Frau e.V., sowie die Schauspielerin Sibel Kekilli zu Wort. Im Anschluss wurde der Film „Schaust du hin?“ erstmalig öffentlich gezeigt. Vorgestellt wurd er durch einleitende Worte zur Kampagne von René Heymann, Geschäftsführer der Agentur HEYMANN BRANDT DE GELMINI und Initiator der Kampagne. Das Jugendtheaterstück „Mein Leben, meine Liebe, meine Ehre?“ der Theatergruppe „Mensch: Theater!“ bildet den Abschluss der Beiträge, bevor die Podiumsdiskussion zum Thema „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ mit Frau Katrin Schwedes (TERRE DES FEMMES e.V.), Gerhard Hafner (Beratung für Männer – gegen Gewalt, Berlin), Mine Kral (Polizistin, LKA), Alexandra Goy (Rechtsanwältin) und Anna Palinski (ehemals Betroffene von häuslicher Gewalt) startete. Das Symposium im Schloss Bellevue wurde moderiert von Shelly Kupferberg.

Zu Beginn der Veranstaltung hielt Bundespräsident Joachim Gauck, der bereits am Vormittag in der Bundesgeschäftsstelle von TERRE DES FEMMES in Berlin mit von Gewalt betroffenen Frauen gesprochen hatte, eine Rede. Darin würdigte er die Arbeit von TERRE DES FEMMES und machte auf die Notwendigkeit die Öffentlichkeit für die Thematik zu sensibilisieren aufmerksam.

Gauck lobte auf der einen Seite, dass sich der rechtliche Schutz für Frauen in den letzten Jahrzehnten in Deutschland verbessert habe und das Problembewusstsein gewachsen sei. Trotzdem sehe die Realität oft anders aus. „Jede dritte Frau hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides erfahren. Jede fünfte Frau hat diese Gewalt in der Partnerschaft erlebt.“ Mit diesen Zahlen bezieht sich Gauck auf eine Studie, welche 2014 europaweit durchgeführt wurde. Der Bundespräsident appellierte an nachbarschaftliche Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft und an eine gesteigerte Sensibilität staatlicher Institutionen um bedrohten Frauen und Mädchen zu helfen. „Wir müssen deutlich machen, dass es für Gewalt in unseren Familien und in unserer Gesellschaft keinen Platz gibt und dass Frauen, die misshandelt werden, unsere Unterstützung und Solidarität haben.“

„Menschenrechte sind nicht teilbar und gelten für alle.“

Bundespräsident Joachim Gauck und die Vorstandsfrauen von TERRE DES FEMMES Irma Bergknecht, Marika Tügel, Christa Stolle, Ingrid Staehle, Necla Kelek. Foto: © Uwe Steinert, BerlinBundespräsident Joachim Gauck und die Vorstandsfrauen von TERRE DES FEMMES Irma Bergknecht, Marika Tügel, Christa Stolle, Ingrid Staehle, Necla Kelek. Foto: © Uwe Steinert, BerlinChrista Stolle, Geschäftsführender Vorstand von TERRE DES FEMMES betonte in ihrer anschließenden Rede (PDF-Datei), dass es unter anderem Aufgabe der Politik sei, „mit klaren Rahmenbedingungen und Gesetzen ungleiche Geschlechterverhältnisse und patriarchales Gedankengut aufzulösen“. Eine EU-weite Studie von 2014 habe ergeben, „dass in Deutschland lediglich 23 Prozent der Frauen über 15 Jahren Kenntnis von Initiativen gegen Gewalt an Frauen haben.“ Somit befindet sich Deutschland auf dem vorletzten Platz unter den 28 EU-Mitgliedsstaaten. Stolle verwies damit darauf, dass die Arbeit von TERRE DES FEMMES längst nicht beendet sei und fordert flächendeckende sowie stabile Finanzierung von Frauenhäusern und Beratungsstellen. Neben ihrem Appell an die Politik ruft sie auch Bürgerinnen und Bürger in die Verantwortung. „Zivilcourage zu fordern, ist inzwischen ziemlich phrasenhaft, aber letztlich ist sie eine der wichtigsten Handlungsmaximen einer demokratischen und humanen Gesellschaft.“

Bewegende Worte von Sibel Kekilli

Schauspielerin und Botschafterin von TERRE DES FEMMES Sibel Kekilli. Foto: © Uwe Steinert, BerlinSchauspielerin und Botschafterin von TERRE DES FEMMES Sibel Kekilli.
Foto: © Uwe Steinert, Berlin
Im Anschluss sprach Sibel Kekilli, Schauspielerin und Botschafterin von TERRE DES FEMMES. Sie weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet für Freiheit kämpfen zu müssen. In ihrer Rede (PDF-Datei) sprach die Deutsch-Türkin zu Vätern, Ehemännern und Brüdern. „Meine Vision war immer die Freiheit“ sagt Kekilli und beschreibt, wie sie im Kampf ein selbstbestimmtes freies Leben zu führen, einen großen Teil ihrer Kultur aufgeben musste. „Was ist denn so bedrohlich an einer freien Frau?“ fragt Kekilli. „Warum nur ist euch die Außenwirkung in der Gesellschaft wichtiger als das glückliche Leben eurer Tochter, Schwester oder Frau?“ Kekilli bewegt durch diese klaren und persönlichen Worte. Sie schließt ihre Rede mit Dank an TERRE DES FEMMES, für die gemeinsame Vision der Freiheit und den Wunsch, dass diese eines Tages für Frauen kein „hart erkämpftes Privileg oder womöglich Todesurteil ist, sondern Normalität.“

 Sibel Kekilli gewinnt für ihre Rede den Preis Autorin der Freiheit im April.

„Schaust du hin?“

Im Rahmen der Veranstaltung startete TERRE DES FEMMES die neue Kampagne „Schaust du hin?“.  Diese hat das Ziel dem Thema Häuslicher Gewalt mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und die Öffentlichkeit für die Thematik zu sensibilisieren. Kernstück der Kampagne ist ein dreiminütiger Filmspot, welcher im Rahmen des Symposiums in Schloss Bellevue Weltpremiere feierte. Der Kurzfilm wurde von der Kreativagentur Heymann Brandt de Gelmini pro bono konzipiert und mit Hilfe vieler Unternehmen honorarfrei umgesetzt. Nun soll er in sozialen Netzwerken verbreitet werden.

Theater in Schloss Bellevue: „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“

Nach der Premiere des Kurzfilms wurden aus dem Jugendtheaterstück "Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?" des Theaterensembles „Mensch: Theater!“ einige Szenen aufgeführt. Das interaktive Stück wurde 2014 in Schulen in Baden-Württemberg aufgeführt, um SchülerInnen zu Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsheirat zu sensibilisieren und war ein großer Erfolg.

Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion mit Katrin Schwedes, TERRE DES FEMMES; Anna Palinski, Buchautorin; Shelly Kupferberg, Moderation; Gerhard Hafner, Beratung für Männer gegen Gewalt; Alexandra Goy, Rechtsanwältin; Mine Kral, Polizistin. Foto: © Bundesregierung/DenzelPodiumsdiskussion mit Katrin Schwedes, TERRE DES FEMMES; Anna Palinski, Buchautorin; Shelly Kupferberg, Moderation; Gerhard Hafner, Beratung für Männer gegen Gewalt; Alexandra Goy, Rechtsanwältin;
Mine Kral, Polizistin.
Foto: © Bundesregierung/Denzel
Zum Abschluss debattieren ExpertInnen und Betroffene in einer Podiumsdiskussion über das Thema „Gemeinsam gegen Gewalt an Mädchen und Frauen“. TeilnehmerInnen waren Katrin Schwedes (Leiterin Beratungsstelle, TERRE DES FEMMES), Gerhard Hafner (Beratung für Männer – gegen Gewalt, Berlin), Mine Kral (Polizistin, LKA), Alexandra Goy (Rechtsanwältin),Anna Palinski (ehemals Betroffene von Häuslicher Gewalt). Die TeilnehmerInnen waren sich einig, dass es deutschlandweit insgesamt zu wenig Anlaufstellen für betroffene Frauen und Mädchen gebe.

Im Anschluss an das Symposium fand ein Sektempfang statt. Bewegende Reden, Eindrücke von der Arbeit von TERRE DES FEMMES und der Dialog mit verschiedenen Akteuren zum Thema Frauen- und Mädchengewalt haben die Veranstaltung in Schloss Bellevue zu einem Erfolg gemacht und haben gezeigt, dass die Worte mit denen Bundespräsident Gauck seine Rede schloss nicht oft genug betont werden können: „Jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau, hat das Recht auf ein Leben ohne Gewalt.“

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