08. März: Internationaler Frauentag - Frauenrechte sind Menschenrechte!

TDF Plakate. Foto:© TERRE DES FEMMES„Der internationale Frauentag ist die wichtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht gewesen, welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann.“ (Clara Zetkin, 1911)

Im Jahr 1911 fand zum ersten Mal der Internationale Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt, initiiert von sozialistischen Arbeiterinnenbewegungen. Die damalige Forderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland im Jahr 1918 folgten viele weitere Meilensteine, welche Frauen seitdem durch öffentliche Proteste und Widerstand gegen bestehende rechtliche Diskriminierungen erreicht haben. Dazu zählen die rechtliche Gleichstellung durch Artikel 3 im Grundgesetz von 1949, das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, welches der Frau 1974 durch die Reformierung des § 218 zugesprochen wurde. Und im Jahr 1997 auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung durch Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe. Der letzte große Erfolg für Frauenrechte, war die im letzten Jahr durchgesetzte Reform des Sexualstrafrechts. Endlich ist der Grundsatz „Nein heißt Nein“ rechtlich verankert und künftig können sexuelle Handlungen bestraft werden, wenn sie gegen den erkennbaren Willen der anderen Person erfolgen – unabhängig davon, ob Gewalt angewendet oder angedroht wurde.

Der Internationale Frauentag wird seit mehr als 100 Jahren gefeiert und hat bis heute nicht an Bedeutung verloren. Mehr denn je werden damit jährlich wichtige Forderungen der Frauenbewegung in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Auch im 21. Jahrhundert sind unsere Gesellschaften noch immer von patriarchalen Strukturen geprägt und geschlechtsspezifische Gewalt an Mädchen und Frauen ist weit verbreitet. So haben noch heute 155 Länder frauendiskriminierende Gesetzgebungen, darunter auch Staaten, welche Frauen Menschenrechte, wie das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit verwehren. Von weiblicher Genitalverstümmelung zum Beispiel sind über 200 Millionen Frauen und Mädchen weltweit betroffen. Die Tradition beruht auf einer tief verankerten Ablehnung der weiblichen Sexualität und ist in 29 Ländern Afrikas gängige Praxis. Aber auch in anderen Teilen der Welt wie in Asien oder auf der Arabischen Halbinsel wird FGM (Female Genital Mutilation) praktiziert. In Deutschland leben rund 48.000 Mädchen und Frauen, die von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind. Darüber hinaus sind mehrere Tausend Mädchen mit Migrationshintergrund gefährdet, während eines Urlaubes im Herkunftsland der Eltern beschnitten zu werden. Seit 2013 ist Genitalverstümmelung ein eigener Straftatbestand in Deutschland und seit 2015 auch strafbar, wenn FGM im Ausland durchgeführt wird sofern die Betroffene deutsche Staatsbürgerin ist oder ihren Hauptwohnsitz in Deutschland hat.

Unterdrückung, Ablehnung sowie Kontrolle weiblicher Sexualität liegt auch den Verbrechen im Namen der Ehre sowie der Verheiratung von Minderjährigen zugrunde. Die Familienehre ist in diesen patriarchalen Strukturen an die Jungfräulichkeit und die weibliche Sexualität geknüpft. Gelingt es den Männern in der Familie nicht, Sexualität und Verhalten der Frauen zu kontrollieren, gilt die Ehre der Familie als beschmutzt und kann im äußersten Fall nur durch einen „Ehren“-Mord wiederhergestellt werden. Auch Zwangsehen dienen dieser Kontrolle und patriarchaler Machtausübung. Weltweit werden jährlich noch immer 15 Millionen Mädchen zwangsverheiratet. Ziel der Vereinten Nationen ist es daher Zwangs- und Frühehen bis 2030 zu beenden. Allein in Deutschland sind laut Bundesinnenministerium 1475 Kinderehen registriert, von denen 316 der Betroffenen unter 14 Jahre alt sind.

Eine weitere Form der Gewalt ist der Menschenhandel, dem gemäß einer Schätzung der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) aus dem Jahr 2008 rund 2,4 Millionen Menschen weltweit zum Opfer fallen. 42% dieser Menschen werden dabei sexuell ausgebeutet. Allein in der EU sind einer weiteren Schätzung der ILO aus dem Jahre 2012 zufolge 270.000 Personen von sexueller Ausbeutung betroffen, wovon 80% Mädchen und Frauen sind. Allerdings gibt es international und national keine verlässlichen Daten zu Menschenhandel. Frauenhandel ist moderne Sklaverei und eine schwere Menschenrechtsverletzung.

Ebenso menschenverachtend ist die Prostitution. Sie ist eine der am längsten tradierten Formen sexueller Ausbeutung von Frauen im Patriarchat. Nur ganz wenige Frauen entscheiden sich freiwillig der Prostitution nachzugehen, der übergroße Anteil der Frauen in der Prostitution wird durch wirtschaftliche oder persönliche Zwangslagen dazu genötigt.

Häusliche und sexualisierte Gewalt ist die in Deutschland am meisten verbreitete geschlechtsspezifische Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Laut einer Studie des Frauenministeriums von 2004 wird jede vierte Frau in Deutschland im Alter von 16 bis 85 Jahre Opfer von häuslicher Gewalt. Nach Angaben des Europarats haben die Folgen solcher Übergriffe gravierendere Auswirkung auf die Gesundheit von Frauen im Alter von 14 bis 44 Jahren als Krebs oder Autounfälle. In vielen Fällen handelt es sich um sexuelle Übergriffe, ausgeübt von Lebenspartnern oder Familienmitgliedern. Allein in Deutschland werden pro Jahr noch immer bis zu 160.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt. Das entspricht einer Vergewaltigung alle drei Minuten. Davon werden lediglich 8.000 Vergewaltigungen angezeigt und nur bei 1.000 kommt es zu einer Verurteilung.

TERRE DES FEMMES kämpft gegen die aufgeführten Menschenrechtsverletzungen an Mädchen und Frauen in Deutschland und weltweit. Der Verein setzt sich dafür ein, dass Opfer von Gewalt einen rechtlichen Anspruch auf psychosoziale Betreuung haben. Dazu ist eine sichere Finanzierung von Beratungsangeboten und Frauenhäusern, sowie die Einrichtung von Opferschutzambulanzen zur anonymen Spurensicherung, notwendig. Zusätzlich tritt TERRE DES FEMMES mithilfe von Bildungs- und Aufklärungsprojekten an junge Menschen heran und fordert mehr Präventionsangebote in Bildungseinrichtungen. Auch fordert der Verein ein gesetzliches Mindestheiratsalter von 18 Jahren ohne Ausnahmen und setzt sich mit einem „Sexkaufverbot“ für eine Welt ohne Prostitution ein. Die Erfüllung dieser Forderungen ist eine unabdingbare Voraussetzung, damit alle Mädchen und Frauen auf dieser Welt ein freies Leben führen können. Sie sollen eine gleichberechtigte Rolle in der Gesellschaft einnehmen und selbstbestimmt über ihren Körper und ihre Handlungen entscheiden können.

TERRE DES FEMMES macht die Öffentlichkeit auf dringende Probleme aufmerksam, informiert über Hintergründe und Ursachen und setzt sich für Gesetzesänderungen ein, um die Menschenrechte von Mädchen und Frauen besser zu schützen. Der Verein vernetzt sich mit anderen Frauenrechtsorganisationen und sensibilisiert Behörden und die Öffentlichkeit für die genannten geschlechtsspezifischen Gewaltformen und die negativen Konsequenzen für Mädchen, Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft. Wir leben in einer Zeit, in der patriarchalische Strukturen erstarken und sich antifeministische Strömungen weltweit ausbreiten. Es liegt an jedem Einzelnen diesen Entwicklungen entgegenzutreten, unsere bereits erkämpften Rechte zu verteidigen und weiterhin für unsere Ziele einzustehen. Dabei gilt es vor allem die Parolen von RechtspopulistInnen sowie religiösen ExtremistInnen als frauen- und demokratiefeindlich zu entlarven. Niemand darf mehr ignorieren, dass Mädchen und Frauen Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt werden, weil sie dem weiblichen Geschlecht angehören!

Auf der Homepage von TERRE DES FEMMES e.V. finden Sie Veranstaltungen, welche rund um den 08. März mit TERRE DES FEMMES-Beteiligung stattfinden.

Wir laden Sie herzlich ein daran teilzunehmen.

 

 

 

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