Rundreise von Judith Galarza mit dem Film
„Señorita Extraviada – Missing Young Woman“
Film und Diskussion mit Judith Galarza, Menschenrechtsaktivistin
aus Mexiko - März 2004
„Señorita Extraviada“, Regie:
Lourdes Portillo, 2001, USA/Mexico, 75 Min., Video, engl. Fassung.
Mit
ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm „Señorita
Extraviada“ will die Filmemacherin Lourdes Portillo die internationale
Aufmerksamkeit auf die bestialischen Gewaltmorde an Frauen in Ciudad
Juárez lenken. In der Industriestadt an der mexikanisch-amerikanischen
Grenze wurden innerhalb der letzten zehn Jahre über 300 junge
Frauen auf grausamste Weise mißhandelt und ermordet. Die Opfer
sind fast ausschließlich Fabrikarbeiterinnen, die für
einen Hungerlohn unter menschenunwürdigen Bedingungen in einer
der zahlreichen Maquiladoras – große Exportfabriken
für den Weltmarkt – beschäftigt sind. Bisher ist
es keiner Behörde, NGO oder Internationalen Kampagne gelungen,
diese Morde zu verhindern, oder Schuldige dafür zu bestrafen.
Lourdes Portillo versucht Licht in das Schicksal der ermordeten
Frauen zu bringen, indem sie mit Familien der Opfer, Polizeibeamten,
Vertretern der örtlichen Ermittlungsbehörden und Frauen
spricht, die Mordanschläge wie durch ein Wunder überlebten.
Gezeigt werden auch die Initiativen der Familienangehörigen,
ihre Frauen und Mädchen in gemeinsamer Aktion zu schützen.
Jedoch sind allein in den 18 Monaten, in denen sie ihren Film drehte,
bevor er im August 2002 erstmals im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt
wurde, weitere 50 Frauen ermordet worden.
Im
Anschluss an den Film findet ein Publikumsgespräch mit der
mexikanischen Menschenrechtsaktivistin Judith Galarza statt. Frau
Galarza nimmt an einer Rundreise mit dem Film teil, welche die Menschenrechtsorganisation
für Frauen TERRE DES FEMMES durch verschiedene Städte
Deutschlands und Österreichs durchführt (voraussichtlich
Tübingen, Stuttgart, Konstanz, Heilbronn, Bielefeld, Marburg,
Köln, München, Chemnitz, Berlin, Wien), unter dem Titel:
Frauenrechte - Restposten des Weltmarktes. Sie ist Familienangehörige
eines der ersten Opfer in Ciudad Juárez, ihre Schwester wurde
1978 ermordet.
Judith
Galarza hat selbst 15 Jahre in einer der Maquiladoras gearbeitet
und wurde dann entlassen, da sie versuchte, die Arbeiterinnen zu
organisieren. Sie gründete die älteste existierende Organisation
von Familienangehörigen vor Ort. Heute ist sie Generalsekretärin
von FEDEFAM, einer lateinamerikanischen Organisation von Familienangehörigen
von Verschwundenen, Verschleppten und Ermordeten und hat den Fall
Ciudad Juárez vor die Menschenrechtskommission der UNO gebracht.
Unabhängig von den Morden wirft der Film jedoch auch ein Licht
auf die Bedingungen in den Weltmarktfabriken der Exportzonen, die
das Leben der Arbeiterinnen im Zuge der Globalisierung immer mehr
belasten, bis hin zu den gravierendsten Menschenrechtsverletzungen.
Auszeichnungen:
- Barcelona Human Rights Film Festival - Gold Gandhi Award
- Sundance Film Festival - Special Jury Prize
- Human Rights Watch International Film Festival - Nestor Almendros
Prize
- Thessaloniki Film Festival - FIPRESCI Award to Best Foreign
Film
- Cinequest - Audience Award for Best Documentary
- Images Du Nouveau Monde - Prix Tempete Radio-Canada Award for
Best Feature Film
- Festival International de Films De Femmes in Creteil - Audience
Award
- Festival Internacional del Nuevo Cine Latinoamericano, Cuba:
Best Documentary
- Malaga Film Festival - Grand Prize Best Documentary
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