|
TERRE DES FEMMES veranstaltet
vom 14.-20. November 2002 die zweite Filmwoche in Tübingen,
zum internationalen Tag "Nein zu Gewalt an Frauen", in Zusammenarbeit
mit der Frauenbeauftragten der Stadt Tübingen, mit den Kinos
Arsenal und Museum in Tübingen und Waldhorn in Rottenburg.
Wiederum möchten wir den Schleier heben und einBlicke in uns
fremde FrauenWelten geben, vielleicht auch in Welten, die vor unserer
Tür liegen. Die diesjährige Filmwoche soll später
erstmalig in anderen Städten Deutschlands von den dortigen
Städtegruppen von TERRE DES FEMMES zusammen mit Programmkinos
reproduziert werden.
TERRE DES FEMMES hat inzwischen wieder verstärkt
an die Arbeit angeknüpft, die Ausgangspunkt ihrer Gründung
war: die dramatischen Schicksale von Frauen im Nahen Osten, die
von Ehrenmorden, Zwangsheirat (zentrales Aktionsthema von TERRE
DES FEMMES zum 25. November und Auftakt einer einjährigen
Kampagne) und extremer Einschränkung ihrer (Über)Lebensräume
bestimmt sind. Die ans Absurde grenzende Lage der afghanischen Frauen
unter den Taliban wurde durch den Krieg gegen Afghanistan
in den Blickpunkt der Welt gerückt. Wenn auch Hoffnung besteht,
dass sich die Situation der afghanischen Frauen bessern mag, so
stehen jedoch die Frauen im Nahen und Mittleren Osten unter einer
weiteren schrecklichen Bedrohung: neben der Ausbreitung des patriarchalischen
Fundamentalismus werden kriegerische Konflikte in der Region geschürt.
Leidtragende sind immer in vorderster Linie Frauen und Kinder.
So soll einer der Schwerpunkte der Filmwoche, unser
Einblick in die Welt der islamischen Frauen sein. Am Sonntag wird
eine Matinee mit Frühstück den Auftakt zu einer Reihe
von sieben Filmen geben, die sowohl die Probleme und Beschränkungen
aufzeigen, welche die islamischen Gesellschaften ihren Frauen auferlegen;
jedoch soll auch der Tatsache Raum gegeben werden, dass die islamische
Welt eine vielschichtige Welt ist, die den Frauen ganz unterschiedliche
Möglichkeiten einräumt, die sie auf ebenso vielfältige
Weise nutzen und erkämpfen. Sie verlangen, dass wir sie in
ihrer eigenen Art der Emanzipation respektieren und anerkennen.
Ob mit oder ohne Schleier - wir begegnen kämpferischen Frauen
im vielfach preisgekrönten Eröffnungsfilm "The
day I became a woman" von Marziyeh Meshkini, selbstbewußten
berufstätigen Frauen aus dem Jemen in "Explosion
der Stille" von Annette von Wangenheim, erfinderischen Frauen
in "Scheidung auf Iranisch"
sowie sensiblen, ihre Stärke suchenden Mädchen in "Runaway",
dem einfühlsamen Film über eine Zufluchtsstätte im
Iran von Kim Longinotto und Ziba Mir-Hosseini, starken Frauen in
"Gabbeh", von dem bekannten
iranischen Regisseur Mohsen Makhmalbaf, geduldigen und ausdauernden
Frauen in "Zeit der Männer,
Zeit der Frauen" von Moufida Tlatli aus Tunesien, politisch
engagierten Frauen in "Women
under the Sun" von Sobhi al-Zobaidi und Frieden herbeisehnenden
Frauen in "Hay mish Eishi"
von Alia Asoughly aus Palästina. Besonders zahlreich vertreten
ist in diesem Jahr zu diesem Thema der iranische Film.
Über
das Leiden der Frauen in Kriegen und kriegerischen Konflikten
hinaus sollen verschiedene Filme eine Reihe von Kämpferinnen
würdigen: für neue Wege der Friedensinitiativen, für
den Kampf der IndianerInnen um Selbstbestimmung in „Rigoberta
Menchu“ von Felix Zurita, gegen Diktatur in "Daß
Du zwei Tage schweigst unter der Folter" über die Tübingerin
Elisabeth Käsemann von Frieder Wagner und Oswaldo Bayer. Arundhati
Roy, die zierliche indische Schriftstellerin setzt sich für
die Rechte des Adivasi-Volkes gegen die negativen Auswirkungen der
Staudammprojekte in Indien in „DAM/AGE
“ von Aradhana Seth. Pinky, die lebensfrohe ältere
Südafrikanerin kämpft in "Red
ribbon around my house" von Portia Rankoane gegen den AIDS-Virus,
den sie in sich trägt, und der den afrikanischen Kontinent
zu entvölkern droht. Für ihre Überlebenschancen kämpfen
gemeinschaftlich nicaraguanische, afrikanische und kambodschanische
Frauen und Mädchen in „Vos
que sos mi hermana“ von Yolanda Olmos, „Diese
Hände“ von Flora M´Mbugu-Schelling und „Das
Reisfeld“ von Rithy Pangh. In „Faat
Kine“ von Sembène Ousmane bemüht sich eine resolute
und humorvolle alleinerziehende Frau der Mittelschicht um das Überleben
ihrer Familie, in „Ufer der Frauen
ohne Männer“ von Lu´u Trong Ninh verteidigen
die stillen Heldinnen eines vietnamesischen Dorfes dieses gegen
die Auswirkungen des Krieges . Einer individuellen und erstaunlichen
Kämpferin begegnen wir in „Kriegerin
des Lichts“ von Monika Treut, die ihrer Oberschicht-Herkunft
zum Trotz eine empathische und zupackende Solidarität mit den
brasilianischen Straßenkindern entwickelt hat. Es geht
um Kämpferinnen und ihre Träume, Utopien, die sich sogar
manchmal verwirklichen lassen
Ein
weiterer Schwerpunkt soll unsere Würdigung einer Regisseurin
sein, die sich in ihrem Werk immer wieder dem Thema der Menschenrechte
gewidmet hat: Jeanine Meerapfel, Tochter deutsch-jüdischer
Emigranten, die vor Hitler nach Argentinien flohen. Dort wuchs Jeanine
auf und kehrte später nach Deutschland zurück. So ziehen
sich die Themen des Exils, Asyl, Diktatur, soziale Rechte ausländischer
Arbeiterinnen durch ihre Filme, „Desembarcos“,
„Im Land meiner Eltern“,
„Die Kümmeltürkin
geht“. In ihrem neuesten Film „Annas
Sommer“, einer deutsch-griechisch-spanischen Koproduktion,
die auf der diesjährigen Berlinale ihre Premiere hatte, lässt
sie eine faszinierende Angela Molina vor dem Grün-Blau des
ägäischen Meeres nach den Geistern ihrer Vorfahren suchen.
Jeanine Meerapfel wird zugegen sein und für Publikumsgespräche
zur Verfügung stehen.
Auch dieses Jahr führt uns die Reise durch
FrauenWelten in die Kontinente Asien, Afrika und Lateinamerika,
aber auch zu dem Mädchen von nebenan - der modernen Türkin,
die vielleicht Minirock und offene Haare trägt, aber um ihr
Leben fürchten muss, wenn sie sich den Heiratsplänen der
Familie verweigert- "Yasemin";
und die als verheiratete Frau immer mehr unter Druck gerät,
das Kopftuch wieder anzuziehen. In den Filmen zu "MädchenWelten"
begegnen wir dem Mädchen, das aus Osteuropa her gekommen ist,
jedoch hier nicht als seinesgleichen akzeptiert wird- "Svetlana";
dem bosnischen Mädchen, das in sein Land zurückkehrt,
jugendlichen Müttern in Nikaragua und AIDS-infizierten Straßenmädchen
aus Sambia. Herzlich lachen können wir über die Komödie
von Gurinder Chadha über die Erwartungen an Weiblichkeit in
der Person einer jugendlichen indischen Fußballerin in "Kick
it like Beckham".
Wir sehen außerdem aktuelle Dokumentarfilme
über Frauenhandel, Genitalverstümmelung, reproduktive
Rechte und Gewalt gegen Frauen. Dabei bekommen wir immer wieder
bestätigt, dass Frauen, obwohl Opfer unsäglicher Leiden,
immer wieder Kraft schöpfen, Stärke, Sensibilität,
Humor und Solidarität zu entwickeln, um im Miteinander überleben
zu können.
Wir danken allen, die uns in unserem Vorhaben dieses
Filmfestes unterstützt haben.
|