AKTUELL: PraktikantInnen gesucht!

Für das 17. Filmfest FrauenWelten vom 22. - 29. November 2017 haben wir in der Zeit von September bis November/Dezember 2017 praktikumsplätze zu vergeben. Der Praktikumszeitraum beträgt drei Monate.
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RÜCKBLICK:
16. Filmfest FrauenWelten
vom 23. bis 30. November 2016 in Tübingen


Begegnungen mit internationalen Filmfest-Gästen

Fast 20 nationale und internationale Gäste, darunter FilmemacherInnen, AktivistInnen, MusikerInnen und ExpertInnen, kamen zum 16. Filmfest FrauenWelten nach Tübingen, führten intensive Diskussionen mit den ZuschauerInnen und machten das Filmfest zu einem Ort des politischen Austausches über Menschenrechtsverletzungen an Frauen weltweit.

Der Besuch von Urmila Chaudary aus Nepal, die den Film „Urmila“ begleitete, war ein Highlight gleich zu Beginn der Filmfestwoche. Sehr beeindruckt zeigten sich die ZuschauerInnen von ihrem Engagement als Kämpferin zur Abschaffung der Sklaverei.
Auch das Spielfilmdebüt von Laura Bispuri, „Vergine Giurata – Sworn Virgin“ über den Schwur junger Mädchen, als Mann zu leben, stieß auf großes Interesse, Bispuri berichtete von ihren Recherchereisen in die Bergregionen Albaniens.
Die bewundernswerte, engagierte serbische Schauspielerin und Regisseurin Mirjana Karanovic stellte dem Tübinger Publikum den Abschlussfilm der FrauenWelten, „A Good Wife“ vor, über die Kriegsnachwehen in ihrer Gesellschaft.
Ein außergewöhnlich berührender Besuch erwartete das Publikum im Anschluss an den Dokumentarfilm „Hawar“ über den Genozid an den Jesiden im Nordirak. Die Jesidin Farida Khalaf, die aus der Gefangenschaft des IS fliehen konnte und mittels des Baden-Württembergischen Flüchtlings-Sonderkontingents Nordirak nach Deutschland kam, erzählte gemeinsam mit Dr. Michael Blume, Leiter des Sonderkontingents vom Staatsministerium, von ihren aufwühlenden Erlebnissen.

 

Gut besuchte Gesprächsrunde

Die Gesprächsrunde zum Thema „Patriarchatskritische Aktivistinnen aus islamischen Gesellschaften: Was tun?“ fand im voll besetzen Kinosaal statt, das Publikum wollte auch nach zwei spannenden Stunden noch mehr hören und weiter diskutieren. Die vier Podiumsteilnehmerinnen klärten auf über Gefahren des Islamismus in Europa, appellierten für einen aufgeklärten liberalen Islam und betonten, wie wichtig es ist, Frauen in islamischen Gesellschaften in ihrem Kampf für Freiheit zu unterstützen.

 

Publikumslieblinge

Neben dem Eröffnungsfilm „Tanna“, der bei seiner Wiederholung ausverkauft war, gab es wieder mehrere Publikumslieblinge in diesem Jahr. Darunter „The Eagle Huntress“ über die 13-jährige Aisholpan, die sich in den Kopf setzt Adlerjägerin zu werden, der am Sonntagabend für einen vollen Kinosaal sorgte; die Weltpremiere von „Ein Haufen Liebe“ bei der die vier Hauptprotagonistinnen im Alter von 71 – 90 Jahren „ihren“ Film feiern konnten; sowie „Alle Farben des Lebens“ über einen Teenager, der in einem Mädchenkörper geboren wurde, sich aber als Junge fühlt..

 

Schulvorstellungen

Eine Schulvorstellung blieb in diesem Jahr in besonderer Erinnerung: zum Film „Sonita“ über die afghanische Rapperin, die sich gegen ihre geplante Zwangsverheiratung zur Wehr setzt, waren auch zwei Klassen mit geflüchteten SchülerInnen anwesend, die sich mit dem afghanischen Rapper-Duo Paradise und Diverse von „143 Band“, die ein ähnliches Schicksal wie Sonita erlebt hatten, auch auf Persisch unterhalten konnten und viele Fragen nicht nur zu ihrer Geschichte, sondern auch zur politischen Lage in Afghanistan sowie zu ihrer Situation als Geflüchtete in Berlin stellten.

 


16. Filmfest FrauenWelten
vom 23. bis 30. November 2016 in Tübingen


 

Hana darf Raki trinken, Waffen tragen, Rauchen und Fluchen und muss sich nicht in eine arrangierte Ehe fügen. Denn sie hat in den abgeschiedenen Bergen  Albaniens den traditionellen Schwur abgelegt, als Mann zu leben und ewig Jungfrau zu bleiben. Sie wurde zu Mark. Nach Jahren beschließt sie, sich neu mit dieser Entscheidung auseinanderzusetzen – ein gefährliches Unterfangen. Vergine Giurata – Sworn Virgin ist das für den Goldenen Bären nominierte Spielfilmdebüt der italienischen Regisseurin Laura Bispuri, die es selbst in Tübingen vorstellen wird.
Mirjana Karanoviæ hat sich als Schauspielerin u.a. im Goldenen Bär-Gewinner „Esmas Geheimnis“ einen Namen gemacht und kommt ebenfalls mit ihrem Regie-Debüt zu den FrauenWelten: in A Good Wife entdeckt Milena bei einem Aufräumanfall, dass ihr Mann an Kriegsverbrechen im Jugoslawienkrieg beteiligt war. Der Film gewann gleich mehrere Filmpreise und war für den Grand Jury Preis bei Sundance nominiert.
Der zweifache Venedig-Preisträger Tanna führt uns auf eine kleine Vulkaninsel im Südpazifik wo ein Liebespaar die traditionelle arrangierte Ehe in Frage stellt. Die wahre Geschichte wird von den UreinwohnerInnen selbst atemberaubend gespielt.

  Im Fokus Arbeiterinnen wird in verschiedenen Filmen die prekäre Situation von kämpferischen Arbeiterinnen in den Blick genommen: von den streikenden Frauen der Solidarno¶æ in Polen über unterbezahlten Hausmädchen in Mali, die sich in Barakeden organisieren, bis zu Näherinnen in Bangladesch im Dokumentarfilm The True Cost, der unsere Verantwortung als KonsumentInnen hinterfragt. Besonders betroffen macht das wenig bekannte Schicksal der Sklavenarbeiterinnen des indigenen Volkes der Tharu in Nepal: Urmila wurde befreit und kämpft nun gegen diese Sklaverei – schon 13.000 Tharu-Mädchen konnte sie mit ihren Mitstreiterinnen befreien. Nun kommt Urmila selbst zu den FrauenWelten.

  Flucht und Migration sind nicht nur Thema in dem mitreißenden Hip Hop-Dokumentarfilm Martha & Niki aus Schweden. In Café Waldluft stoßen bayrische Postkarten-Idylle und Kriegsgeschichten aufeinander, seit in dem Ausflugshotel Asylsuchende leben. Recht unbekannt die Situation der lateinamerikanischen MigrantInnen in den USA, die Jahrzehnte lang ohne Papiere in einem quasi rechtlosen Status aufwachsen, im Film No Le Digas a Nadie eindrücklich dargestellt.
  Das Thema Sexualisierte Gewalt zieht sich unterschwellig durch viele Filme des diesjährigen Programms. Ein eindrücklicher Beitrag ist dabei der Oscar-Preisträger 2016 A Girl in the River, in dem es außerdem um Zwangsverheiratung und Ehrenmord in Pakistan geht. Wie wichtig dabei Schutzeinrichtungen für Frauen und Mädchen sind, wird anhand der Geschichte von Driving With Selvi über die erste Taxifahrerin Südindiens deutlich, die aus einer gewalttätigen Ehe geflohen ist, in einer Einrichtung Unterstützung fand und ihr Leben nun erfolgreich und sehr selbstbestimmt gestaltet.
 

In der Gesprächsrunde "Patriarchatskritische Aktivistinnen aus islamischen Gesellschaften: Was tun?“ tauschen sich Migrantinnen aus Algerien, Tunesien, der Türkei und Albanien/Mazedonien aus über frauenfeindliche Traditionen und den Kampf für eine tolerante, aufgeklärte islamische Religion und Kultur.

Die Ausstellung "world.wide.work. Bekommen wir was wir verdienen?" gibt kritische Einblicke in die Arbeitsbedingungen von behinderten und nicht behinderten ArbeiterInnen der Welt.